Mobilmachen gegen
belastende Funk-Standorte
Debatte um Johannishöhe
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VON MAX-JOSEPH KRONENBITTER Kottgeisering - Die Bürger machen mobil: Mit einer
Unterschriftenliste gegen die Nachrüstung von UMTS-Mobilfunk-Antennen auf dem
Wasserturm konnten die Anlieger der oberen Johannishöhe den Gemeinderat davon
abbringen, einem Antrag von Vodafone zuzustimmen. Jetzt hatte der Initiator der
Liste, Karl-Heinz Dix, zu einer gut besuchten Informationsveranstaltung in die
Grafrather Schule eingeladen. Neben dem Mediziner und Anlieger Peter Sprenzinger
referierte Johannes Kamp, Spezialist für integrierte kommunale Mobilfunkplanung
(IkoM).
"Seit 25 Jahren betreibe ich in meiner Zahnarztpraxis zwei Röntgengeräte, von daher weiß ich sehr gut, wie flexibel der Gesetzgeber mit den Grenzwerten umgeht", sagte Peter Sprenzinger. Anders als die ungepulsten Radiowellen seien die gepulsten Wellen des Mobilfunks mit der ständig wechselnden Sendeleistung bedenklich. Um durch die sich geradlinig ausbreitenden UMTS-Wellen noch effektiv ein Laptop im Keller eines Wohnhauses betreiben zu können, sei eine maximale Sendeleistung und damit Belastung notwendig, so Sprenzinger.
Am Beispiel der Gemeinde Gräfelfing (Kreis München) zeigte Johannes Kamp, dass sich mit einer durchdachten Antennenverteilung die Strahlungsdosis minimieren lässt. Intensitäten in Höhe des Grenzwertes "1 Watt pro Quadratmeter" wurden innerhalb der Wohnbebauung generell vermieden. "Hierzu ist ein konsequenter, überparteilicher Wille der Bürger und Entscheidungsträger unbedingt notwendig", so Kamp, Geschäftsführer von Enorm, einem Telekommunikations-Consulting-Unternehmen.
Konsens als möglich dargestellt
Neben homöopathischen Aspekten und Spekulationen über mögliche Auswirkungen auf das Zellwachstum von Flora und Fauna beschäftigte die Zuhörer vor allem die Frage, wie es weitergehen könnte. Eine Veränderungssperre und die Änderung des Flächennutzungsplanes sei nicht die beste Lösung, weil die Positiv-Planung auch mit untersuchten Alternativ-Standorten aufwarten muss. "Ein Konsens, bei dem auch die wirtschaftlichen Interessen eines Mobilfunkunternehmens berücksichtigt werden, ist immer möglich", erklärte Johannes Kamp.
Bürgermeister Josef Drexler, der mit der Hälfte seiner Gemeinderäte teilnahm, war zuversichtlich, in der topografisch differenzierten Gemeinde akzeptable Alternativen zu finden. "Vodafone hat mir versprochen, diese dann ehrlich zu prüfen", so Drexler. In Kottgeisering hätte jeder auf privater Basis agierende Standort-Aquisiteur kein leichtes Spiel. Auch in Kirchturmkreuzen und Kaminattrappen versteckte Antennen würden nicht lang unentdeckt bleiben und den Zorn der Bürger nach sich ziehen, so Drexler. Ziel sei es, gemeinsam mit Grafrath und den weiteren Mobilfunkunternehmen ein Konzept zu entwickeln. Erste Ideen will Drexler im Gemeinderat am 29. November präsentieren.